Jahreszeit
Herbst
Temperatur
9° - 18°
Witterung
unstet: leichter Regen
Tageszeit (Rpg)
Vormittags



November '13

#ACHTUNG!
Die Animas ziehen um!
für weitere Informationen lest
am schwarzen Brett nach.

Damian


#1

Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 14.09.2013 01:24
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Haru rannte.
Er rannte bis ihm die Seiten stachen. Dann wurde er noch schneller. Sein Hals brannte, sein Herz pochte, seine Muskeln schmerzten. Aber er hörte nicht auf zu laufen. In seinen Ohren klang nur der eigene, keuchende Atem...und Damians Worte.
„Vergiss mich Haru. Du hast dir da etwas zusammengesponnen was nie wirklich wird. Ich verschwinde von hier. Leb endlich dein Leben Haru. Nicht meins. Verschwinde von hier. Ich bin es leid.“
Er war ihn leid. Ihn. Hatsuharu. Der dachte, sie wären die besten Freunde. Würden auf ewig zusammenbleiben. Aber Damian war ihn leid. Tränen sickerten über seine Wangen. Was hatte er getan? Was hatte er getan!?
Nichts.
Haru verlangsamte seinen Lauf bis er in einem gemäßigten Schritt verfiel. Die Nacht war durchzogen von einer leichten diesigen Decke.
Er hatte nichts schlimmes gemacht.
Gar nichts.
Damian hatte ihn ohne jeglichen Grund von sich gestoßen. Sich seiner entledigt wie einen durchgekauten Schuh! Wut stieg in ihm auf und mit ihr erneute Tränen.
Wieso hatte er das getan?
Dann blickte Haru zum ersten Mal wieder auf. Seine Gesichtszüge entglitten ihm zu einem seltsamen leeren Ausdruck. Er hatte sich verlaufen. Haru sah nach links und rechts. Nein. Hier kam ihm absolut nichts bekannt vor. Keine Seltenheit, und so zuckte er nur die Schultern und lief einfach irgendwohin weiter.
„Du bist unzuverlässig. Was soll ich mit einem unzuverlässigem Freund machen, der sich immer wieder verirrt?“ Damian hatte recht, und doch... Es klang als wolle er sagen er sei dumm. Aber Haru war nicht dumm! Er war niemals dumm gewesen!
Er ballte die Hände zu fäusten.
„Ich bin nicht dumm!“
Knurrte er als er plötzlich etwas durch den Diesigen Schleier sah. Es wäre gelogen zu sagen, sein erster Gedanke war >ein Engel<, denn in wirklichkeit war es >wer stellt denn eine Marmorstatue mitten auf die Straße<. Doch als er näher trat, musste er erkennen, das weder das eine noch das Andere richtig war. Es war eine Frau. Eine Frau mit Flügeln. Und wunderschönem weißen Haar.
Er starrte sie lange Zeit einfach nur an, mit Kindlichen weit geöffneten Augen. Sie wirkte nicht alt. Weshalb waren ihre Haare weiß? Und diese Flügel? Angeklebt? War heute Halloween, oder Fasching und er hatte nichts davon mitbekommen? Doch schließlich, schloss er die Lider zu Hälfte und fragte:
„Sind die gefärbt?“


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#2

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 14.09.2013 22:13
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Seit Lucia denken konnte, war die Nacht der Schauplatz ihres Lebens. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte mal tagsüber auf offener Straße gestanden und in die Sonne geblinzelt hatte.
Sie wusste nicht, ob sie das überhaupt jemals getan hatte.
Mutter und Vater hatten sie vor der Welt verbergen wollen, und natürlich war das richtig. Die Welt war kein Ort für jemanden wie Lucia. Mutter wollte sie verstecken. Vater wollte sie beschützen. Vater hatte sie geliebt, so gut er konnte. Manchmal hatte er ihr erlaubt, nachts nach draußen zu gehen, wenn das Wetter schlecht und die Straßen leer waren.
Jetzt war Lucia allein.
In Vaters Gedenken verließ Lucia noch immer nur nachts die einsame Wohnung, die sie bis vor ein paar Monaten noch mit Vater geteilt hatte – wenn überhaupt. Sie wünschte es sich so sehr, aber sie wagte es einfach nicht, tagsüber in die Welt zu gehen. Sie wagte es nicht. Sie erinnerte sich nicht an das Gefühl von Sonnenlicht in den Augen. Aber sie erinnerte sich an das Gefühl, angestarrt zu werden.
Es gab viel, was man an Lucia anstarren konnte. Ihr weißes Haar, ihre gelben Augen, ihr Hände, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie Finger oder Klauen sein wollten. Ihre braunen Flügel.
Vater hatte immer gesagt, vielleicht würde eines Tages ein Engel aus Lucia werden. Mutter hatte immer gesagt, Engel hätten keine braunen Flügel.
Sie spürte, wie ihr der Mantel von Schultern und Flügeln rutschte, als sie in das Licht einer Laterne starrte.
"Sind die gefärbt?"
Lucia fuhr herum und sah für einen kurzen Moment nur einen trüben hellen Fleck, der die Nachtschwärze verzerrte. Dann tauchten dahinter erst ein Gesicht und dann ein ganzer Mann auf und Lucia stieß einen kleinen Schrei aus, lächerlich verspätet und unnütz. Sie hasste es, wenn sie schrie. Sie hasste es auch, wenn sie lachte. Es kam vor, dass es mehr nach einem Vogel als nach einem Menschen klang.
Sie machte einen Schritt zurück und legte die Flügel an. Ein Blick über die Schulter verriet ihr, dass sie und der Fremde allein waren – niemand wollte sich anschleichen, oder zumindest hatte sie noch niemanden bemerkt.
Fast war sie versucht zu fragen, was er meinte. Obwohl er kräftig aussah, wirkte er beinah gar nicht bedrohlich. Sein Blick ging nur knapp an ihren Augen vorbei, und es war nicht mehr schwer zu erraten, was sein Interesse geweckt hatte. Sie presste trotzig die Lippen zusammen.
"Nein, sind sie nicht," antwortete sie. "Die sind so, seit ich auf der Welt bin."
Er legte den Kopf schief und Lucia riss den Arm hoch, eine Dose Pfefferspray auf ihn gerichtet.
"Keinen Schritt weiter!", warnte sie an ihrem ausgestreckten Arm vorbei. "Wenn du mich angreifst, werd ich dir wehtun." Sie spreizte die Flügel weit auseinander und tat einen kräftigen Schlag, der ihr Haar aufwirbelte und sogar noch das Hemd des Fremden erreichte.
Zum Glück glaubte niemand so etwas, wenn er es nicht selbst gesehen hatte. Wenn er morgen seinen Freunden davon erzählen würde, würden die sicher glauben, er hätte sich einfach etwas eingeschmissen.


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#3

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 14.09.2013 22:47
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Haru hatte den Kopf schiefgelegt. Der Schrei dieser Frau, und es war eine Frau, der stimme nach zu urteilen, klang fast wie der Ruf eines Vogels. Fast. Seit der Geburt also waren ihre Haare weiß. So lange schon. Wie seltsam. Und doch so, so...schön. Ihre Flügel bewegten sich und legten sich an Ihren Körper als sie eine Schritt zurück machte. Und Harus Augen wurden für einen Augenblick groß. Dann, gerade als er einen Schritt auf sie Zu machen wollte, hob sie die Hand mit einer Dose und bedrohte ihn. Ließ ihr Flügel schlagen, das sein Hemd davon leicht flatterte. Haru blieb wo er war und starrte sie weiter an. Diese Haare. Sie waren also wirklich echt! Jeder andere hätte wahrscheinlich die Flügel angestarrt, doch er - er dachte gar nicht daran. Sie waren ihm egal. Außerdem standen sie ihr. Sie wirkte so majestätisch. Vielleicht war sie ein gefallener Engel? Aber Engel hatten weiße Flügel und fuchtelten nicht mit einer Dose vor jemanden herum. Und dann diese Haare. So wunderschön weiß. So weiß wie Haru es mal war. Bis er sich Damian angepasst hatte. Bis auch er, wie dieser Bastard schwarz geworden war. Schwarze Haare, Schwarze Klamotten, schwarze Seele. Wenn er sie angriff, würde sie ihm wehtun? Fast hätte er trocken aufgelacht, doch stattdessen, fühlte er wie ihn etwas zu Boden drückte. Eine unglaubliche Traurigkeit.
"Dann tu mir halt weh. Es kann nicht schlimmer schmerzen. Das ist mir egal. Aber bitte, wenn du mir schon weh tun willst, reiß mir bitte gleich das Herz mit raus."
Er machte einen Schritt auf sie zu. Er wollte vorher noch diese Haare aus der nähe sehen.
"Sie sind wunderschön." Sagte er leise, wie zu sich selbst.
Weiß. Wunderschön weiß. So weiß, wie er es wieder sein wollte. So wie er war, bevor er Damians Schmutz auf sich gedrückt hat. All diesen Schmutz...


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#4

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 15.09.2013 18:32
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Sie sollte ihm gleich das Herz rausreißen? Was sollte das jetzt heißen?
Lucia mochte vielleicht eigenwillig aussehen, aber deswegen war sie noch lange keine Bestie.
"Bleib doch endlich mal stehen!", sagte Lucia und schwenkte die Dose in stummer Warnung. Sie konnte noch nie gut mit Menschen umgehen – was nicht verwunderlich war, wenn man bedachte, dass sie kaum in den Genuss kam, ihnen zu begegnen. Und wenn sie ihnen doch mal begegnet war, war es meist kurz und manchmal auch sehr unangenehm.
Nachts von einem Mann in die Ecke getrieben zu werden, war sicher nicht das, was Lucia sich erhofft hatte, als sie vor ein paar Stunden ihre Wohnung verlassen hatte. Normalerweise wusste sie recht gut mit solchen Situationen umzugehen.
Aber etwas in dem Gesicht dieses Mannes machte sie unsicher. Er wirkte nicht angriffslustig. Er sah erschöpft aus und ausgelaugt. Die feuchte Luft ließ sein schwarzes Haar glänzen.
"Ich will dir überhaupt nicht wehtun", sagte sie dann. "Ich – bleib stehen! Ich will dir nicht wehtun, aber ich werde dir wehtun, wenn du mir wehtun willst." Sie machte einen Satz nach hinten, einen Hopser, der sie nur einen Herzschlag zu lang in der Luft hielt, als ihre Flügel einen Luftzug erhaschten. "Was willst du denn überhaupt?" Denn eine Begegnung wie diese hatte Lucia noch hie gehabt, und sie wäre froh zu wissen, wie sie damit jetzt umzugehen hatte.


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#5

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 15.09.2013 18:59
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Wenn er ihr wehtun würde?
"Warum sollte ich dir wehtun wollen? Du hast mir doch gar nichts getan! Hast du mein Herz und meine Seele gebrochen? Nein. Hast du mir heute Morgen knoten in die Haare gemacht, dass ich gar nicht mit dem Kamm durchkam? Nein. Ich habe gar keinen Grund dir weh zu tun."
Sagte er und verlangsamte seine Schritte nicht. Einen nach dem anderen. Sie sprang in die Luft um ein Stück vor ihm zurück zu weichen, dabei halfen ihr ihre Flügel mehr Distanz auf zu bauen, als es ein normaler Mensch hätte tun können.
"Was willst du denn überhaupt?" Diese Frage ließ ihn letzendlich doch stoppen. Ja, was wollte er? Er hatte heute morgen noch so viel gewollt. Das Damian sich ihm zuwendete, dass er ihm sagte, dass alles gut werden würde, dass sie gemeinsam bis zum Ende der Welt gehen würden. Doch jetzt,-
"Ich möchte dein Haar berühren." Seine Miene bekam wieder diesen seltsamen Ausdruckslosen touch und er hob seinen Arm in ihre Richtung. Nun setzte er seinen Schritt auf sie wieder fort. Einen Nach dem anderen, bis er vor ihr stand und eine Strähne ihres weißen Haares zwischen die Finger nahm.
"So schön." murmelte er leise und betrachtete, wie sich das Licht der Laterne darin fing und sie schimmerten.
"So weiß. und wunderschön."
Sie war kein Engel. Aber eine Frau. Das konnte er nun aus der Nähe eindeutig sehen. Der Mantel den sie trug war auf ihrem Rücken in fetzen gerissen um ihren Flügeln platz zu schaffen. Sie war kleiner als er. Zierlicher. Aber schön.


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#6

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 15.09.2013 19:33
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Er wollte ihr Haar berühren. Was?
Ihre Augenbrauen schoben sich zusammen und ihr Mund öffnete sich zu einer Frage, die sie nicht stellen konnte. Ihre Füße weigerten sich, einen Schritt weiter zurückzuweichen, obwohl das alles war, was Lucia in diesem Moment wollte. Sie spürte, wie sich ihre Flügel anspannten, eine Spannung, die sich durch ihren ganzen Körper zog.
Sie ließ den Arm mit der Dose sinken, weil ihre Hand sonst gegen seine Brust gestoßen wäre. Er wollte ihr nicht wehtun und er wollte ihr Haar berühren.
Und dann streckte er die Hand nach ihrem Kopf aus und Lucia zuckte instinktiv zusammen, dass ihre Federn raschelten. Aber da war kein Schlag, keine Gewalt, kein Schmerz. Nur das Gefühl von einer Hand in ihrem Haar.
Als sie die Augen wieder zu öffnen wagte, konnte sie sehen, wie dieser Typ sich eine weiße Strähne um den Finger gewickelt hatte. Es war normalerweise nicht ihr Haar, das Aufmerksamkeit erregte. Aber die Flügel schienen ihn kaum zu interessieren. Er schien sie nicht einmal wirklich als solche wahrzunehmen, als die riesigen Flügel eines Vogels, die aus dem Rücken eines Mädchens kamen.
Er nannte es schön.
Lucia war in ihrem jungen Leben einiges genannt worden, von Mutter und Vater und Leuten, denen sie begegnet war, obwohl sie es nicht wollte. Schön war eigentlich nie dabei gewesen.
"Du bist vielleicht ein komischer Kerl", murmelte sie, als er so gebannt von ihrem Haar schien, als wäre das das einzig bemerkenswerte. Als er ihre Haarsträhne zwischen den Fingern drehte, schob sie seine Hand weg. "Es reicht. Hör auf, das reicht." Was wollte dieser Kerl von ihr? Konnte er sie nicht einfach endlich angreifen, damit sie sich wehren konnte und alles wieder wie immer war?


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#7

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 15.09.2013 19:45
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Er kam erst wieder ein wenig zu Sinnen, als sie seine Hand beiseite schob.
"Es reicht." Seine Augen wurden groß und dunkel. Sie war ihn leid. Wie Damian. Es reicht...
Langsam sank er zu boden auf seine Knie hinab, stützte sich mit seinen Händen auf den Boden. Sein Körper begann zu zittern, ob aus wut, leid oder Schmerz konnte er nicht beantworten. >Es reicht<
"Was mache ich nur falsch?" fragte er den Boden. "Warum wird mich jeder leid? Warum bin ich so dreckig? Warum tritt jeder der mir etwas bedeutet mit Füßen nach mir?"
> Hör auf so dumme Fragen zu Stellen, Hatsuharu!< erklang die Stimme seines Vaters und sein Zittern verstärkte sich.
"Ich bin nicht dumm! Ich bin NICHT dumm!" Schrie er in die Nacht hinaus und Tränen schossen ihm in die Augen. Tränen der Wut, der Trauer, des Leides.
"Ich bin nicht anders! Ich bin nicht dumm! Hört auf damit! Hört auf auf mich einzutreten als wäre ich Schmutz! Hört auf!"
Er kauerte sich zusammen. Beugte sich so weit nieder, dass seine Stirn den Asphalt berührten und griff ein seine Haare. Seine furchtbaren schwarzen Haare...
"Bitte...hilf mir doch..."
Seine letzten Worte waren nur leise, kläglich vor sich hin gesagt. Er sprach niemanden direkt an. Aber irgendwer, irgendwer musste ihm doch helfen. Er hatte sich doch wieder verlaufen...


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#8

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 15.09.2013 20:36
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Ein Regentropfen landete auf ihrem Kinn. Ein zweiter irgendwo auf ihrer Hand. In den Lichtkegeln der Laternen tanzten winzig kleine Punkte gen Erde.
Großartig.
Sie hatte nur gewollt, dass er aufhörte sie anzufassen, und plötzlich schrie er sie an und brach vor ihr zusammen, als hätte sie ihm tatsächlich ein Leid getan. Das war gefährlich. Wenn er jetzt schon so ausrastete, was würde passieren, wenn Lucia ihn erst richtig provozierte? Es war Zeit zu verschwinden.
"Warum wird mich jeder leid?"
Das klang so absurd, das sie fast gelacht hätte. Wie konnte sie jemanden leid sein, den sie nicht einmal kannte? Oder gehörte es für ihn etwa zum Alltag, nachts auf Frauen mit Flügeln und gelben Augen zu treffen und ihre Haare zu betatschen?
Und für eine einzige Sekunde fühlte sie sich an einen Gedanken erinnert, der ihr schon oft durch den Kopf gegangen war. Was, wenn sie nicht die einzige war? Wenn es noch mehr wie sie gab, irgendwo da draußen in der Welt, die sie nur bei Nacht betreten konnte, nur für ein paar Stunden. In einer Welt jenseits der vertrauten Straßenzüge?
Dann kehrte sie sich um und wollte verschwinden. Es fing zu regnen an, bald würde die Sonne aufgehen und Leben zurück in die Straßen fließen wie aufgestautes Wasser.
"Hilf mir doch."
Sie schaute zurück, als sie das hörte, nicht einmal ganz sicher, ob sie es wirklich gehört hatte. Er hockte immer noch auf der Erde wie ein Häufchen Elend – und war das nicht ein allzu vertrautes Bild?
Es erinnerte Lucia an sich selbst, an diesen einen Moment in ihrem Leben, da Mutter sie verlassen hatte, weil sie Lucia einfach nicht lieben konnte, weil es nichts gab, was Lucia hätte tun können, um Mutters Liebe zu gewinnen, weil Lucia einfach nicht dafür gemacht war, von Mutter geliebt zu werden. Und wenn nicht einmal Mutter selbst sie lieben konnte, wer sollte es dann schaffen?
An diesem Tag war es Vater gewesen, der es konnte. Vater hatte Lucia geholfen, als sie nicht mehr als ein verzweifeltes Häufchen Elend im Regen gewesen war.
Was sollte dieser Mann vor ihr jetzt tun, wenn er keinen Vater hatte, der ihm half? Was hätte Lucia getan ohne Vater?
Bevor sie eine Entscheidung getroffen hatte, war Lucia wieder bei ihm und hatte ihre Flügel über ihn gebreitet wie ein Dach. "Steh auf", sagte sie und versuchte, ihn am Arm hochzuziehen. "Komm schon, steh auf." Sie mussten wenigstens aus dem Licht raus. Und Lucia musste verschwinden, bevor es Tag wurde und sie sich nicht mehr vor den Menschen verstecken konnte. Das hätte sie tun können, ganz leicht, sie hätte ihn einfach hier zurücklassen können.
Aber er weinte. Er brauchte Hilfe. Und im Moment war Lucia die einzige, die ihm diese Hilfe geben konnte.


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#9

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 15.09.2013 20:50
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Er spürte die Dunkelheit eher, als dass er sie sah. Auf einmal war es dunkler geworden. Wie konnte es mitten in der Nacht noch dunkler werden?
"Steh hoch." Ein ziehen an seinem Hemd. Ein befehl. Jemand der das Wort an ihn Richtete. Er öffnete die Augen. Flügel umgeben ihn. Warme, weiche Flügel, und als er den Blick hoch, war die Frau mit den wunderschönen weißen Haaren so nah. Ein Regentropfen fiel auf seine Stirn und lief seinen Nasenrücken hinab. Mischte sich mit seinen Tränen. Er sah sie an. Voller Verzweiflung. Sie reichte ihm ihre Hand. Sie war zurückgekommen. Hatte sich ihm zugewandt. Sie war ihn nicht leid. Sie war hier. In einem Plötzlichen Impuls hatte er sich aufgerichtet und sie in seine Arme geschlossen. Er lehnte seinen Kopf gegen ihre Wange, hielt sie in einer Umarmung. Er würde sie auch halten. Er würde ihr auch auf helfen, wann immer sie hilfe brauchte.
"Danke."
Schluchzte er.
"Danke. Von jetzt an, passen wir aufeinander auf, ja? Wir passen auf, dass all die dunklen, schwarzen Menschen dort draußen uns nicht mehr wehtun. Ich pass auf dich auf. Ich bin da! Ich danke dir."


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#10

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 00:32
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Lucia wusste nicht, was gerade passierte.
Dass letzte mal, dass sie einem Menschen so nah gewesen war, lag schon eine ganze Weile zurück, und nun stand sie hier mit einem wildfremden Mann, der sie umarmte und offenbar nicht mehr Herr seiner Sinne war. Sie legte ihre Hände irgendwo an seine Hüfte, weil sie das Gefühl hatte, dass er schwankte, und würde er fallen, fiele Lucia mit ihm.
Es fühlte sich fremd an, von ihm umarmt zu werden. Und zu hören, dass sie von nun an aufeinander aufpassen würden, dass er auf sie aufpassen würde, war… das war… es war lächerlich. Niemand hätte eine Veranlassung dazu, und Lucia glaubte nicht einen Moment, dass dieser fremde Mann es ernst meinte. War er betrunken? Das würde seine Stimmungsschwankungen erklären, aber Lucia roch keinen Alkohol.
"Lass mich – " Sie merkte rechtzeitig, wie harsch ihre Stimme klang, und versuchte, ihre Worte abzuschwächen, um einen erneuten Ausbruch zu vermeiden. "Lass mich bitte los, ich-ich mag das nicht, du kannst nicht einfach irgendwelche Leute umarmen, das – "
Sie schob ihn vorsichtig weg und suchte in seinem Gesicht irgendetwas, das ihr verriet, wie es jetzt weiterging. Hoffentlich war er einfach nur betrunken, dann hätte er nach einer Mütze Schlaf das alles vergessen
"Du musst… unbedingt nach Hause", sagte sie. Wer konnte schon sagen, in welche Schwierigkeiten er sich sonst in diesem Zustand noch bringen würde. "Sag mir einfach, wo du… wo du wohnst, und dann bring ich dich da schnell hin."
Es wäre ein Leichtes gewesen, ihn einfach loszuschicken und ihm den Rücken zu kehren, so dass jeder seiner Wege. Aber irgendetwas schien mit diesem Mann nicht zu stimmen, und Lucia konnte den Gedanken nicht ertragen, dass er unter die Räder geriet, nur weil sie weggeschaut hatte. Sie musste es, wenn sie ihn erst einmal an einem sicheren Ort abgeladen hatte, dann nur noch rechtzeitig vor Sonnenaufgang und Tagesanbruch nach Hause schaffen.
Sie merkte, wie viel einfacher es war, für sich zu bleiben und den Menschen aus dem Weg zu gehen.


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#11

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 11:30
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Die tränen waren versiegt, noch ehe Haru sich von ihr fort gedrückt hatte. „Ich mag das nicht“ hatte sie gesagt. Und Haru respektierte Dinge die andere nicht mögen. Sein Gesicht war mit einem mal wieder so Ausdruckslos wie am Anfang ihrer Unterhaltung.
„Mag nicht jedes Mädchen Umarmungen?“ Fragte er trocken. Doch dann lächelte er. Er mochte sie. Das stand fest.
„Komm.“
Er fasste sacht ihre Hand, so dass sie sich ihm jederzeit wieder entziehen konnte und zog sie sanft mit sich.
„Ich wohne nicht weit von hier.“ Er begann los zu laufen. Dann stoppte er jedoch apprubt und sah sie an. Seine Augen waren halb geschlossen, anteilnahmslos als er tonlos sagte:
„Du willst doch nicht über mich herfallen wenn ich arglos da sitze?“ Doch ohne eine Antwort abzuwarten, zuckte er die Schultern, und, bereits wieder im vorangehen, fügte er noch dazu:
„Ich bin übrigens Hatsuharu. Aber du nennst mich Haru.“
Sie liefen eine viertel Stunde durch die nächtlichen Gassen der Stadt. Haru achtete darauf, dass sie niemals direkt unter einer Laterne liefen, oder drehte um, wenn ihnen andere Leute entgegenkamen. So kam es allerdings auch wie es kommen musste. Sie hatten sich mal wieder verlaufen. Genauso abrupt wie er vorhin losgelaufen war, blieb er nun auch wieder stehen. Er blickte nach recht, dann nach links.
„Hmmm,“ begann er, „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dieses Haus vorhin schon hier gestanden hatte. Unbeirrt lief er also weiter. Und weiter, und weiter. Bis ein zarter roter Schimmer den Horizont erhellte. Vielleicht wären sie so noch bis in die frühen Morgenstunden gelaufen, wäre ihnen nicht eine kleine Hilfe gekommen.
„Haru?“
Er drehte sich der alten. Krächzenden Stimme zu. Sie gehörte einer seiner Nachbarinnen. Eine tattrige, gebeugt gehende Frau. Ohne zu ahnen was er tat, stellte er sich vor Lucia, dass die Frau sie kaum sehen konnte. Wenn sie überhaupt noch sehen konnte.
„Hast du dich mal wieder verirrt? Genau wie damals als du klein warst.“ Haru antwortete auf die Frage nicht. Irgendwie klang es auch gar nicht nach einer Frage. Die alte Frau lächelte mild und deutete mit ihrem Finger die Straße entlang.
„Dort hinten musst du rechts rum. Dann stehst du schon vor deinem Häuserblock. Dummerchen. Und wen hast du da bei dir? Eine Freundin?“
„Ja, meine Freundin. Sie gehört mir.“ Antwortete er und klang dabei so selbstverständlich, als wäre es beschlossene Sache.
„Danke.“ Erwiderte er höflich und lief die gezeigte Straße entlang. Er wollte an ihrem Ende links abbiegen, als er ein leichtes Ziehen an seiner Hand spüren konnte, das ihn nach rechts lenkte. Sicherlich nur Einbildung. Aber schließlich stand er vor dem Häuserblock in dem er wohnte.
„Ach so sah der aus.“ Sagte er tonlos als er die Tür aufschloss, die Treppe zu seiner Wohnung erklomm (alles ohne Sie los zu lassen) und sie in seine Wohnung führte.
„Tadaa.“ Sprach er ohne besondere Betonung und breitete die Arme vor ihr aus. Es stand nicht viel drin. Ein altes, zerlegenes Sofa, vor dem ein kleiner Holztisch stand, ein alter Röhrenfernseher, ein Kleiderschrank und ein lederner Sessel, dem gegenüber ein alter angegrauter Spiegel stand, waren das einzige Mobiliar in dem Raum in dem sie sich befanden.
„Dort hinten ist die Küche und dahinter das Bad.“
Er schloss langsam die Tür hinter ihr und lief in die Wohnstube. Dort angekommen ließ er sich auf den ledernen Sessel nieder und sag sie an. Diese Haare. Diese wunderschönen weißen Haare. Dann betrachtete er sein Spiegelbild. Damian. Er sah Damian ähnlich. Aber er wollte Damian nicht ähnlich sehen.
„Ich muss mir wohl die Haare färben.“ Sagte er zu sich selbst, merkte jedoch nicht, dass er es laut ausgesprochen hatte.


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#12

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 16:57
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

"Mag nicht jedes Mädchen Umarmungen?" Nun, vielleicht jedes Mädchen, das keine Flügel auf dem Rücken trug. Und diese Umarmungen nicht nachts von einem verwirrten Fremden kamen.
Er nahm ihre Hand und sie gingen los. Es war seltsam, dass er plötzlich so klar die Führung übernahm, hatte sie doch angenommen, sie müsste irgendwie aus ihm herauskitzeln, wo er wohnte, und ihn dann auch noch irgendwie dort hinbirngen müsste. Jetzt wirkte es fast, als wären sie Freunde und er hätte sie eingeladen.
Aber immerhin bekam der Fremde nun wenigstens einen Namen. Hatsuharu. "Aber du nennst mich Haru." Das klang nicht wie eine Bitte. Es klang, als würde es einen weiteren Ausbruch mit sich bringen, wenn sie es nicht tat.
"Ich bin Lucia", antwortete sie nur, aber viel mehr als ein Nicken bekam sie nicht als Antwort. Er schien viel zu versunken darin, einen Weg durch das Labyrinth aus Häuserschluchten zu finden.
Lucia war hier keine große Hilfe. Den größten Teil ihres Lebens hatte Lucia an einem Ort verbracht, der nicht weiter entfernt sein durfte, als die toten Stunden der Nacht dauerten. Und selbst dann musste sie es hin und zurück schaffen. Und sie musste immer vorsichtig sein. Und wenn sich ein Umzug mit Vater wirklich nicht vermeiden ließ, geschah auch das in schwärzester Nacht. Lucia konnte nicht sagen, welchen Weg sie nehmen mussten.
Das Problem war, dass der Fremde, dass Haru es auch nicht zu wissen schien. Wie war so was möglich? War er erst hergezogen? Aber nein, das konnte nicht sein. Denn als der Horizont langsam blass wurde, passierte, was Lucia immer vermeiden wollte.
Sie trafen einen Menschen.
Das erstaunliche war, dass Haru sich im selben Moment vor sie schob. Er konnte sie nicht gänzlich verdecken, natürlich nicht, aber es schien zu helfen. Mehr als die Frage, ob Lucia eine Freundin sei, löste ihre Anwesenheit nicht aus.
"Meine Freundin. Sie gehört mir." Wie bitte?
Lucia hatte keine Zeit, darauf zu reagieren. Haru zog sie weiter, und da er offenbar nicht erst hergezogen war, war er wohl einfach nur sehr verwirrt. Sehr verwirrt.
Irgendwie, und es war fast ein Wunder nach diesem Fußmarsch, fanden sie seine Wohnung. Sie sollten am Ende der Straße rechts abbiegen, und Haru hatte nichts besseres zu tun, als die linke Abzweigung anzupeilen. Lucia zog an seiner Hand, um ihn auf den richtigen Weg zurückzubringen, nur leicht, aber es wirkte.
Als sie in seiner Wohnung standen – er hatte ihre Hand nicht ein einziges mal losgelassen, nicht mal, als er die Türen aufgeschlossen hatte (und sie waren abgeschlossen, was Lucia fast am meisten überraschte) – erklärte er ihr, wo was zu finden war, als wäre es beschlossene Sache, dass sie bleiben würde. Was es nicht war. Lucia hatte nicht vor zu bleiben, sie hatte lediglich sichergehen wollen, dass dieser Haru es unbeschadet nach Hause schaffte.
Aber Haru schloss die Tür hinter ihr. Sofort ging ein Ruck durch ihre Flügel, wie ein plötzliches Einatmen, und sie wich vor Haru zurück, als er an ihr vorbeiging und auf einen Sessel zuhielt.
Während er sie geistesabwesend anschaute und irgendetwas von Haare färben murmelte, stand Lucia neben der Tür und versuchte, diese Situation zu begreifen.
"Was meintest du eben, als du gesagt hast, ich gehöre dir?", fragte sie. "Ich gehöre nicht dir. Ich gehöre niemandem, und ich glaub, es ist besser, wenn ich jetzt erst mal – " Obwohl die Wohnung recht groß aussah, wirkte sie mit einem mal erdrückend. Sie spürte ihr Herz in ihrer Brust hämmern und ihre Flügel zittern, das leise Rascheln der Federn kaum über dem Geräusch von ihrem hastigen Atem. Bunte Flecken tanzten vor ihren Augen.
Sie musste nach Hause. Der Himmel wurde blass, die Sonne würde bald aufgehen und sie war noch nicht Zuhause.


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#13

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 20:38
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Haru hatte gerade seine Haare zerwühlt. Und er fand es schon besser. Aber er sah damit Damian nur noch ähnlicher.
"Ja, definitiv färben."
Er hörte Lucias Worte wie durch eine Wand, doch er verstand sie ganz genau.
"Na, ganz einfach. Das du zu mir gehörst. Ich pass doch auf dich auf, und du auf mich. Das heißt ich gehöre dir und du mir." Er sagte es, als wäre es das normalste auf der Welt. Doch dann sah er ihr unbehagen. Ihr Blick huschte ängstlich zu dem immer heller werdenden Himmel vor dem Fenster. Haru sah sie wieder ausdruckslos an. Es mochten Minuten vergangen sein, vielleicht auch nur sekunden als er sagte:
"Du warst noch nie bei Tage draußen." Es war mehr eine feststellung als eine Frage. Er erhob sich langsam. Dann betrachtete er zum ersten mal ihre Flügel. Wenn sie diese Auseinander nahm, reichten sie von einer Seite des Flurs zur anderen. Es musste sich wie ein Käfig anfühlen.
Er trat näher an sie heran, doch hütete er sich davor sie zu berühren. Sie mochte es doch nicht.
"Der Tag ist wunderschön. Er ist das Weiß, die Nacht das Schwarz. Man muss doch beides kennen."
Er nahm sanft ihre Hand und zog sie sacht wieder zur Tür hinaus. Doch nahm er nicht den Weg nach unten, sondern die Treppen nach oben. Er lief vier weitere Stockwerke nach oben, bis sie zu einer Luke gelangten. Er öffnete sie und der Duft der schwindenden Nacht kam ihnen entgegen. Er schritt vorran und zog sie an der Hand nach bis sie beide Mitten auf dem Dach standen. Er deutete Richtung Sonnenaufgang.
"Schau, er ist wunderschön."
Er selbst betrachtete nicht den Sonnenaufgang. Er hatte schon hunderte gesehen. Hunderte alleine, Hunderte mit Damian. In ihren endlos erscheinenden Nächten, in denen sie durch die Stadt liefen. Haru setzte sich auf den Boden und kreuzte die Beine. Dann stütze er den KOpf auf die Hand und betrachtete Lucia. Im sanften Licht der Morgensonne hatte ihr Haar einen roten Schimmer und wirkte wie kleine schimmernde Perlen. Ein Lächeln senkte sich auf seine Lippen.


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#14

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 21:42
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Das konnte er doch nicht ernst meinen. Er konnte es doch nicht ernst meinen, wenn er sagte, dass sie jetzt aufeinander aufpassen würden. Das ging doch nicht.
Er kannte Lucia nicht. Und Lucia kannte ihn nicht. Er konnte ihr immer noch schlimme Dinge antun. Und sie ihm, wenn man das so sehen wollte. Er konnte sich doch überhaupt nicht sicher sein, dass sie ihm nicht im nächsten Moment an den Hals springen würde. So wie sie aussah. Hielt er sie denn gar nicht für gefährlich?
"Haru – "
Bevor sie irgendeine Form von Einspruch erheben konnte – zu dem sie sowieso nicht fähig gewesen wäre, weil sie nach Atem rang und ihr schwindlig war und sie erst nach einem guten Dutzend Schritte bemerkte, was passierte –, hatte er wieder ihre Hand genommen, sie zurück in den Flur geführt und die Treppe nach oben genommen.
Er ging vorsichtig mit ihr um. Lucia stolperte hinter ihm die Stufen hoch, aber ob er es nun merkte oder nicht, er ließ sie nicht ein einziges mal fallen.
Als sie draußen auf dem Dach standen, führte er sie weiter von der Tür weg und dichter an die Sonne heran. Nur ein paar Schritte, aber das war schon mehr, als jeder andere je für sie getan hatte.
Es stimmte nicht ganz, dass er vermutete, sie wäre noch nie bei Tag draußen gewesen. Denn das war sie. Früher. Ein paar mal. Für ein paar Minuten. Aber immer nur, weil die Neugier für einen Augenblick größer war, als der Wunsch, Vater zu gehorchen. Und seit sie einmal beinah einer Frau dabei in die Arme gelaufen wäre, hatte sie es nicht mehr gewagt.
Es war lange her, seit sie die Sonne gesehen hatte. Es war nicht ihr erster Sonnenaufgang. Aber es war der erste, den sie nicht nur im Fernsehen gesehen hatte oder sich erschleichen musste. Diesmal war jemand bei ihr und wollte ihn ihr zeigen.
Ihr Atem wurde ruhiger und ihr Herzschlag langsamer. Die plötzliche Panik, die sie eben in Harus Wohnung ergriffen hatte, zog sich zurück und an ihre Stelle trat ebenso plötzliche Erschöpfung.
Haru hatte sich neben sie auf den Boden gesetzt und schaute zu ihr auf. Er hatte bestimmt schon zahllose Sonnenaufgänge beobachtet. Natürlich war dann jemand, der so anders war wie Lucia, interessanter.
Weil sie nicht wusste, was sie sonst hätte machen sollen, ließ auch sie sich auf den Boden sinken. Ihre Flügel spreizten sich dabei eine Sekunde, bevor sie sich wie ein zu großer Mantel um ihre Schultern legten. Die Knie hatte sie angezogen und die Arme darum geschlungen. So saß sie neben Haru und ließ sich vom ersten blassen Licht des Morgens umspülen.
"Das ist schön", murmelte sie und legte das Kinn auf ihre Knie. Der anfängliche Regen hatte sich verzogen und in den Wolken fingen sich rot und blau und orange. Sie wusste nicht, warum ihr plötzlich zum weinen zumute war. "Aber ich kann jetzt nicht nach Hause gehen. Wenn mich jemand sieht, das wäre… eine Katastrophe."
Ihr Brustkorb dehnte sich in einem tiefen Atemzug, den sie hörbar wieder ausstieß. Dann rieb sie ihr Gesicht mit beiden Händen, bevor sie den Kopf neigte und Haru anschaute. Lange anschaute.
Er hatte ein ruhiges, angenehmes Gesicht und seine Haare waren fast ein bisschen zu perfekt schwarz, um echt zu sein. Aber es stand ihm. Sie konnte sich vorstellen, dass ihm vieles stand. Sie konnte sich auch vorstellen, dass er sich nicht viel daraus machte. Seine Augen waren klar und von einem braun, das Lucia gefiel.
"Warum gerade ich?", fragte sie irgendwann, die Wange gegen ihre Beine gelehnt. "Warum willst du gerade auf mich aufpassen?"


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#15

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 22:09
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Als ihr leises "das ist schön" zu ihm herüberwehte wurde sein Lächeln noch breiter und er schloss dabei die Augen. Sie setzte sich schließlich zu Ihm auf den Boden und ihre FLügel legten sich um ihre Schultern wie ein Mantel.
"Cool. Das ist doch sicher ultrapraktisch!" Rief er begeistert aus. "Du hast einen natürlichen Mantel. Wie genial!" Sein Gesicht zeigte eine begeisterung wie bei einem Kind, dass ein Weihnachtsgeschenk bekam. Dann teilte sie mit ihm Ihre bedenken über ihr Nach Hause kommen. ZUerst war er verwirrt.
"Warum eine Katastrophe? Sind die Leute geschockt von deinen schönen Haaren? Oder sind sie blind? Wahrscheinlich sind sie blind." Er zuckte die Schultern.
"Du kannst hier bleiben. Wenn du müde bist, kann ich dir Decke, Kissen und einen Schirm bringen, damit du nicht nass wirst. Und ich bleibe wach und passe auf." Er lächelte ihr wieder zu. Sie fragte ihn warum gerade sie diejenige sei auf die er aufpassen wollte und Harus Miene wurde wieder zu dieser Ausdruckslosen Maske.
"Warum nicht?" Er sprach es mit einem solchen ernst aus wie er ihn aufbringen konnte. Dann senkte er den Blick in ihre Augen. Augen mit einer solch seltenen Farbe. Auch sie gefielen ihm.
"Du wirktest allein. Ich bin allein. Du hast mir geholfen. Ich mag dich. Deine Haare sind toll. Deine Flügel fetzen. Ich will auf dich aufoassen. Reicht dir das an Gründen? Oder soll ich weitermachen." Wieder breitete sich ein lächeln auf seinem Gesicht aus.


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#16

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 16.09.2013 23:13
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Sie hatte… absolut keine Ahnung, was sie von Haru halten sollte. Absolut keine.
Er sprach über ihre Flügel, als wären sie das beste, was einem passieren konnten. Ultrapraktisch. Ein natürlicher Mantel. Er konnte doch unmöglich glauben, dass nicht mehr dahinter steckte. Dass sie nicht der Grund waren, warum Lucias Leben war, wie es nun mal war.
"Siehst du diese Dinger?", fragte sie ihn und ließ ihre Flügel ein bisschen wackeln, um zu zeigen, was sie meinte. "Die sind echt. Und sie sind nicht wirklich unauffällig, damit kann ich nicht einfach rumlaufen. Das würde nur Ärger geben."
Aber Haru fand, dass sie fetzten. Er mochte sie. Er mochte Lucia. Er kannte sie kaum ein paar Stunden und er sagte, dass er sie mochte. Und geholfen hatte sie ihm auch nicht unbedingt. Sie hatte ihm weniger geholfen, als sie eigentlich vorgehabt hatte. Schließlich sah es inzwischen nicht so aus, als hätte sie ihn nach Hause gebracht, sondern als hätte er sie mitgenommen.
Jetzt blieb ihr nicht viel anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass Haru weiterhin so harmlos blieb, wie es momentan den Anschein hatte. Zumindest bis irgendwann die Nacht wieder anbrach.
"Danke dass du mich bleiben lässt", sagte sie.
Sie beobachtete noch eine Weile, wie die Schatten kürzer und die Welt heller wurden, und hörte, wie unter ihnen Leben erwachte, Motoren erklangen und Absätze über die Gehwege klapperten.
"Können wir wieder reingehen?", fragte sie irgendwann, als das Kribbeln zwischen ihren Schultern zu stark wurde, um es länger zu ignorieren. Sie waren lange nicht das höchste Gebäude im Umkreis, und wenn sie jetzt doch noch jemand sah – sie wollte nicht darüber nachdenken, was dann passieren mochte. "Ich bleibe auch nicht lange, versprochen, ich… ich muss nur warten, bis es wieder dunkel wird, damit ich wieder nach Hause gehen kann."
Auch wenn sie sich nie vorstellen konnte, mit einem fremden Mann allein in einer Wohnung auf die Nacht zu warten. Aber sie hatte das Gefühl, mit Haru wäre es in Ordnung. So in Ordnung es eben sein konnte.
Außerdem, wer wusste schon, wie lange Haru durch die Straßen gezogen war, bevor er ihr über den Weg lief. Und inzwischen wurde es Tag. Er musste doch auch irgendwann erschöpft sein.


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#17

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 17.09.2013 00:10
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Auf ihren geheiß hin sah er ihre Flügel an. Danach ungerührt wieder zu ihrem Gesicht.
"Und?" Fragte er tonlos. "Was macht es schon, wenn die Auffallen. das sollten sie. Sie sind echt schön. Ich würd auch gern solche Dinger haben. Und wenn dir einer Ärger macht,-" Seine Miene veränderte sich, ein Gehässiges, ja fast angriffslustiges Lächeln lag auf seinem Gesicht, "bin ich ja jetzt da. Ich hau den zu Mus! Den Klopp ich weg! Der hat dann großen Ärger sag ich dir!" Das grinsen verschwand aus seinem Gesicht und er beugte sich leicht vor, wobei er die Hand ausstreckte. Eine Haarsträhne hatte sich in ihren Wimpern verfangen und er hatte sie eigentlich wegmachen wollen doch,- Ich mag das nicht. Bei der Erinnerung an ihre Worte zog er die Hand wieder zurück und lehnte sich nach hinten, wobei er sich mit den Händen hinten abstützte.
"So jemand wie du sollte keinen Ärger bekommen. Jeder der in deinen Flügeln, deinen Haaren, deinen Augen irgendetwas schlechtes, oder Falsches sieht, ist unnatürlich! Abartig würde ich sogar meinen." Auf ihre Danksagung reagierte er nur wieder mit einem Lächeln. "Du kannst bleiben so lange du willst. Me casa e su casa, oder so. Sagt man das nicht so? Aber wenn dein Zu Hause dir lieber ist, es vielleicht, nein wahrscheinlich sogar, größer ist als meine Bude, dann bringe ich dich heute abend zurück. Will ja nciht, dass dir jemand ärger macht." Er zwinkerte ihr freundlich zu. Dann erhob er sich und bot ihr seine Hand dar um ihr auf zu helfen. Sie wollte nicht mehr hier oben sein, also brachte er sie wieder nach unten in seine Wohnung. Er ließ ihr den Vortritt und blieb vor der Tür stehen.
"Geh ruhig schon rein. Du kannst mein Bett haben, oder irgendwas, was dir angenehm ist zum schlafen. Ich bin nur kurz eine Etage tiefer. Gleich wieder da, versprochen."
Er ließ die Tür sperrangel weit offen, dass sie seine Schritte im Treppenhaus hören konnte und lief eine Etage tiefer um zu klopfen. Eine Frau Mittleren Alters öffnete ihm mit einem morgenmantel bekleidet. Ihre Augenbrauen schossen in die Höhe bei seinem Anblick.
"Haru, hätte nie gedacht, dass ich dich nochmal sehe. Was willst du?" Er hatte wieder diese stoische Miene aufgesetzt als er sie um Haarfärbemittel bat. Er wusste, das diese Frau im Theater arbeitete und immer irgendwas im Haus hatte. Nun war seine Farbwahl nicht die einfachste, und so war er erfreut als sie ihm eine Tube in die Hand gab.
"Weiß zwar nicht, ob das so eine gute Idee ist, deine Haare sind so schön und weich, aber gut. Viel Spaß damit. Und warte nicht wieder so lange, bis du dich bei mir meldest." Haru hob nur die Hand zu Gruße und lief wieder nach oben in seine Wohnung.
"Ich bin kurz im Bad. Dauert nicht lange. Tu dir keinen Zwang an, im Kühlschrank müsste noch irgendwas sein. Ansonsten, weißt ja, alles dein was mein oder so."
Er lief ins Bad und las sich die Tube durch. Zu viele Hinweise, zu viel zu beachten. Er entschloss sich, einfach die ganze Tube drauf zu schmieren. Dann wartete er. Und wartete. Und wartete bis er sie aussprülte, trocken föhnte und durchstrubbelte. Dann besah er sich im Spiegel. Hm, so ganz gefiel es ihm noch nciht. Er hatte die Farbe nicht ganz bis zu seiner Kopfhaut aufgetragen und so kamen seine eigenen Schwarzen Haare zum vorschein. im Nacken war er sogar sehr sparsam gewesen. Nur die Spitzen waren leicht weiß. Also nahm er sich eine Schere und schnitt sie dort kurz. Noch einmal sah er in den Spiegel. Kein Damian. Haru. Er war zufrieden.
Also trat er wieder aus dem Bad heraus und schaute ob Lucia schon schlief. Er wollte ihr unbedingt seine neue Frisur zeigen, doch andererseits wollte er sie auch nicht wecken.


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#18

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 17.09.2013 05:41
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Was Haru da über ihre Erscheinung sagte, war… charmant, in gewisser Weise.
Zwar war klar, dass er absolut nicht wusste, wovon er sprach, wenn er sagte, er hätte auch gern solche Flügel – aber es klang nett. Unwirklich, aber nett. Genauso dass er sagte, er würde sich von nun an um die Leute kümmern, die ihr Ärger machen wollten. Was unnötig war, denn solange sie sich von Menschen fernhielt, würde ihr auch niemand Ärger machen. Aber Haru hatte eine Weise, solche Dinge zu sagen, dass es sich gut anhörte.
Trotzdem waren es wohl doch nur Worte. Denn irgendwann zwischendrin streckte er die Hand nach ihrem Gesicht aus und sie zuckte sogar kaum zurück, weil er sich vorsichtig genug bewegte. Aber seine Hand berührte sie trotzdem nicht. Kurz vorher zog er sie wieder zurück und lehnte sich zurück, stützte sich nach hinten auf seine Arme. Lucia versuchte, nicht enttäuscht zu sein deswegen. Es gab keinen Grund dafür. Haru war fremd, und Lucia war nun einmal, was sie war. Das würden auch ein paar freundliche Worte nicht ändern. Es war normal, dass die Menschen zurückschreckten.
Sogar Mutter war zurückgeschreckt.
Dass Haru sagte, gerade solche Leute wären unnatürlich – "Abartig würde ich sogar meinen!" – klang auf einmal fast wie ein Witz.
Als sie das Dach verließen, ging Lucia voran und Haru folgte ihr bis zu seiner Tür. Sie sollte schon reingehen, sagte er, während er wohl noch etwas zu erledigen hatte. Sie machte zum Zeichen des guten Willens ein paar Schritte in den schmalen Wohnungsflur, doch als Haru aus ihrem Blickfeld verschwand, ging sie zurück zur Tür. Haru hatte sie offen stehen lassen – offenbar wollte er wirklich nur kurz weg – und Lucia konnte seine Schritte im Treppenhaus hören, und dann eine sich öffnende Tür irgendwo unter ihr und dann die Stimme einer Frau. Unweigerlich lehnte Lucia sich ein Stück weiter nach vorn, konnte aber kaum etwas verstehen durch den Hall und das Gemurmel. Dann schloss sich die Tür auch bald wieder und das Geräusch von Harus Schritten kam ihr entgegen, und sie hatte den Eindruck, sie schaffte es gerade noch rechtzeitig ins Wohnzimmer zu huschen, ohne dass er etwas bemerkte.
Sie setzte sich auf einen Stuhl und wartete darauf, dass er zu ihr kam, aber er verabschiedete sich nur ins Bad und sagte ihr, sie solle sich wie Zuhause fühlen. Dann klappte wieder eine Tür zu und Lucia war allein. Sie war allein in Harus Wohnung, in der Wohnung eines Fremden. Und jetzt war sie die Fremde. Wie konnte Haru so entspannt sein mit einer Fremden in seiner eigenen Wohnung, die er nicht einmal im Auge behalten konnte?
Eine Minute und länger blieb sie einfach sitzen, nicht wissend, was sie jetzt tun sollte. Als sie dann das Rauschen einer Dusche hörte, ahnte sie, dass Haru noch eine Weile brauchen würde. Sie könnte alles mögliche anstellen, und Haru würde nichts mitbekommen, bis es vielleicht schon zu spät war. Er hatte wirklich Glück, dass er sich für eine Fremde wie Lucia entschieden hatte, schoss es ihr durch den Kopf, und sie musste beinah lächeln bei dem Gedanken.
In seiner Wohnung war wirklich nicht allzu viel zu finden. Er hatte das nötigste und alles, was man brauchte, aber viel mehr war da nicht.
Das Rauschen verschwand und Lucia wartete, dass Haru aus dem Badezimmer kommen würde. Aber er kam nicht. Einen Moment lang war sie versucht zu fragen, ob alles in Ordnung mit ihm sei, aber sie konnte nicht noch mehr als ohnehin schon in seine Privatsphäre eingreifen. Dann setzte die Dusche wieder ein und Lucia zog sich mit einem leisen Seufzen in die Küche zurück.
Auch hier gab es das nötigste. Keinen Wasserkocher, keine Kaffeemaschine. Aber einen Herd, Töpfe, eine Kanne, Tassen und sogar ein paar Teebeutel. Alles, was Lucia brauchte.
Sie war gerade dabei, den Tee aufzugießen, als die Geräusche im Badezimmer erstarben und Haru heraustrat.
"Ich bin in der Küche", rief sie, obwohl die Wohnung wirklich nicht so groß war, dass er sie lange hätte suchen müssen. "Ich hab uns Tee gemacht, ich dachte, das wäre vielleicht ganz – oh. Gott." Jedes Wort blieb ihr im Hals stecken, als sie sich zu ihm umdrehte. "Oh Gott." Seine Haare waren weiß. "Oh mein Gott." Seine Haare waren weiß. Lucia war sich ganz sicher, dass sie noch schwarz waren, als er ins Badezimmer gegangen war, und jetzt kam er raus und war weiß wie frisch gefallener Schnee.
Lucia schob die Kanne weg und machte ein paar Schritte auf ihn zu, als würde sich das Bild verändern, wenn sie nur dicht genug davor stand. Es änderte sich natürlich nicht. Und Lucia hatte Recht behalten – Haru schienen viele Dinge zu stehen. Sie suchte nach irgendetwas, das sie ihm sagen konnte, aber alles schrumpfte auf ein hilfloses, geatmetes Lachen zusammen.
"Was hast du denn jetzt gemacht?", fragte sie mit einem schiefen Lächeln. Ihre Lippen fühlten sich steif an. Es fühlte sich an, als wäre es lange her, seit sie das letzte mal gelächelt hatte. Vielleicht war es das auch.


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#19

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 17.09.2013 09:56
von Haru • Zweitchara von Damian | 97 Beiträge

Sie schien erschrocken, oder betete sie ihn jetzt an? Sie sagte immer wieder Gott. Aber das würde ihm nicht gefallen, doch dann...sie Lachte. Und Haru antwortete ihr mit einem liebevollen und erleichtertem Lächeln. Seine Augen wurde ganz dunkel vor Freude.
"GEfallen sie dir? Ich brauchte ein tuning. Ich war schwarz satt. Und außerdem-" er beugte sich ein wenig vor und nahm eine ihrer Haarsträhnen zwischen seine Finger und ließ sie hindurchgleiten. "Müssen wir doch zueinander passen." Er betrachtete ihr Lachen. Es war noch etwas holprig, als hätte sie nicht oft Gelegenheit dazu und eine kleine Wut entstand in seinem Bauch. Ganz tief unten, so dass ihre Anzeichen nicht nach außen drangen. Eine Wut auf jene die ihr das Lächeln genommen hatten.
"Es steht dir. Du solltest es öfter tragen." Er grinste wie ein Kind. "Komm lass uns zusammen Tee trinken." Er ergriff die Zwei Tassen und lief in sein Wohnzimmer. Er betrachtete die Sitzmöglichkeiten. Die Couch wäre zu klein für ihn und sie und ihre Flügel, aber sie war der beste und weicheste Platz hier. Also zog er den Sessel zum Tisch, ganz nahe an die Couch und setzte sich darauf.
Er betrachtete sie, wie sie dort saß, mit ihren schönen Haaren, ihren schönen Augen, ihren schönen Flügeln.
"Sag, wer hat dir dein Lächeln genommen?" Er wollte es wissen. Er wollte es wissen und demjenigen sein GEsicht zu brei schlagen, ihm das Gefüjhllose Herz herausreißen. "Wieso bist du nur bei NAcht unterwegs. Die Welt sollte dein Gesicht sehen. Sie sollte DICH sehen. Es ist eine Verschwendung, wenn nicht." Er strubbelte sich erneut die Haare. Sie waren noch etwas feucht, aber noch immer weich. Er liebte seine Haare schon jetzt. Weil sie waren wie Lucias Haare. Nein, nicht ganz. Ihre Haare waren Glatt, seidig glänzend. EInfach Perfekt. Aber er war nahe dran.


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zuletzt bearbeitet 22.09.2013 21:17 | nach oben springen
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#20

RE: Darkness of white - Lucia / Haru

in Zweier RPGs 19.09.2013 00:33
von Lucia • Neuer Nachbar | 51 Beiträge

Sie mussten zueinander passen. Wie lange wollte er dieses Spiel noch weitertreiben? Jetzt hatte er sich sogar die Haare gebleicht, weiß gebleicht, und sie kannten sich kaum einen halben Tag.
Kopfschüttelnd schaute sie um ihn herum, das Schmunzeln immer noch in ihre Wangen gegraben. Sein Haar war nicht gänzlich weiß, im Nacken war es immer noch schwarz, aber sehr kurz jetzt. "Ja", sagte sie, denn warum sollte sie es nicht zugeben? "Ja, es steht dir."
Als er das gleiche über ihr Lächeln sagte, knickte es kurz ein und sie konnte es nicht halten. Es war lange her, dass ihr jemand so offen und schnell irgendeine Form von Zuneigung gezeigt hatte. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Wie reagierte man auf so etwas? Bedankte man sich? Was sagte man?
Letztendlich musste sie aber erst mal gar nichts sagen. Haru führte sie zurück ins Wohnzimmer, damit sie ihren Tee trinken konnten. Seine weißen Haare wirkten so auffallend hell, dass Lucia nicht aufhören konnte, sie anzuschauen. Sie war es gewohnt, dass ihre Welt gelegentlich einen weißen Rand hatte, wenn ihr ihre Haare in die Augen fielen. Aber einen solchen weißen Fleck direkt in ihrem Blickfeld zu sehen, einen Menschen ihres Alters mit den gleichen Haaren wie sie, das war etwas vollkommen neues.
Es konnte nicht pure Eitelkeit gewesen sein, die Haru dazu veranlasst hatte, so plötzlich so eine Veränderung zu wollen. Haru war ein schöner Mann, er hatte ein Gesicht, das vielen gefallen konnte. Jetzt mit seinen weißen Haaren wirkte er… anders. Er wirkte mit einem mal ein Stück weit entspannter.
Er bot ihr die Couch an und zog sich gleichzeitig den Sessel heran, und sie saßen einträchtig beieinander und tranken ihren Tee. Er schmeckte ein bisschen alt, aber er war heiß und duftete nach Kräutern. Lucia hatte zu viel Platz auf der Couch, aber sie konnte es Haru nicht verdenken, dass er lieber alleine sitzen wollte. Und dass sie dann das Sofa bekam, war eine nette Geste, die es beinah wieder wettmachte.
Als er sie nach ihrem Lächeln fragte, das zu selten kam, und ihr sagte, es wäre eine Verschwändung, würde die Welt sie nicht zu Gesicht bekommen, musste sie fast lachen. Fast.
"Haru", sagte sie, "ich – " In ihrer Brust war ein Gefühl wie eine Seifenblase, die platzte. "Ich finde dich wirklich… nett", sagte sie, auch wenn es immer noch erstaunlich war, dass jemand wie Haru ehrlich freundlich war zu jemandem wie Lucia. "Aber mal ganz ehrlich. Es sind nicht alle so nett und so… so offen wie du. Wenn Menschen mich sehen würden…" Sie sprach nicht weiter, denn es war lange her, seit ein Mensch außer Haru sie gesehen hatte, und sie wusste nicht, wie sie es sagen sollte. "Wenn Menschen mich gesehen haben, haben sie es für eine Verkleidung gehalten. Und wenn sie gemerkt haben, dass es keine Verkleidung war, haben sie Angst gekriegt. Menschen haben Angst vor Sachen, die sie nicht verstehen, und ein Mädchen mit Flügeln – " Mit braunen Flügeln noch dazu. Sie konnte nicht einmal als Engel durchgehen. Sie war nicht einmal ein himmlisches Wesen, sie war schlichtweg anders, und Menschen fürchteten, was anders war.
"Als ich ein Kind war", erzählte sie weiter und starrte in die Tasse, die ihre Hände im Schoß hielten. "Meine Eltern haben eine zeitlang versucht, es als eine Verkleidung zu verkaufen. Weißt du, dass ich mir einfach wirklich nur ein Paar selbst gebastelter Flügel auf den Rücken geschnallt habe mit einem… einem Gurt oder so was. Ich bin sogar mit einem Gürtel um die Brust rumgelaufen, und ganz, ganz am Anfang ging das auch gut. Aber wenn ich aufgeregt war, dann…"
Sie holte tief Atem und drehte sich auf dem Sofa, so dass sie ihn direkt anschauen konnte. Dann schlug sie mit den Flügeln, wie sie es als Kind immer getan hatte. Nicht so sehr, dass sie sich wirklich viel bewegten oder sie etwas kaputt machte, aber heftig genug, dass die Federn raschelten und Harus weißes Haar ihm aus der Stirn geweht wurde und tanzte.
Für eine Sekunde erwartete sie, dass ihn das aufrütteln würde. Dass er, falls er es je selbst gedacht hatte, nun merkte, dass es keine Attrappe war, dass diese Dinger auf ihren Rücken wirklich echt waren und zu ihr gehörten. Für eine Sekunde erwartete sie, dass er schreien und aufspringen würde.
Aber das tat er nicht.
"Ich glaube, ich hatte Freundinnen damals, aber als das passiert ist, haben sie angefangen zu weinen, und ich… ich weiß gar nicht mehr, was danach passiert ist. Wir sind umgezogen und ich durfte nicht mehr rausgehen, wenn mich jemand sehen konnte." Es gab noch viel mehr, was Lucia hätte erzählen können, aber sie schüttelte nur den Kopf. "Glaub mir also, wenn ich sage, es ist wirklich keine Verschwendung, dass jemand wie ich nicht gesehen wird."


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